Kieferorthopädie Erwachsene

Ein offenes und herzliches Lächeln ist Ausdruck von Zufriedenheit und Lebensfreude. Der Beginn einer Freundschaft, sagt der Volksmund. Aber was, wenn die Frontzähne „schief“ stehen oder zu weit über die Unterkieferschneidezähne ragen? Zu eng stehende Zähne behindern außerdem die Mundpflege, Karies und Zahnfleischentzündungen können leichter entstehen.
In vielen Fällen kann dann mit kieferorthopädischen Mitteln für Abhilfe gesorgt, die Ästhetik verbessert werden. Denn, eine kieferorthopädische Behandlung ist keine Frage des Alters. Sie ist für Erwachsene genauso möglich wie für Kinder und Jugendliche. Wichtig ist nur, dass keine Zahnbetterkrankungen vorliegen. Allerdings benötigt die Zahnverschiebung im ausgewachsenen Kiefer mehr Zeit. Und, die Krankenkasse erstattet bei Personen, die über 18 Jahre alt sind, keine Kosten für Zahnstellungskorrekturen.

In der Regel erfolgt die kieferorthopädische Erwachsenenbehandlung mit festsitzenden Geräten. Durchschnittlich dauert die Behandlung ein bis zwei Jahre, an die sich eine Stabilisierungsphase mit einem so genannten Retentionsgerät anschließt. Mit dieser herausnehmbaren Zahnklammer oder Schiene sorgt der Kieferorthopäde für eine dauerhafte Stabilisierung des Behandlungsergebnisses.

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Lingualtechnik – da wird die Spange unsichtbar

Neben der Methode, die Zahnfehlstellung durch eine festsitzende Apparatur auf der Zahnaußenseite durchzuführen, besteht mit der „Lingualtechnik“ (lingual = zungenseitig) die Möglichkeit, die Zahnfehlstellung durch eine festsitzende Apparatur auf der Zahninnenseite – also nicht sichtbar – zu korrigieren. Diese Technik erfordert allerdings einen erhöhten Aufwand. Außerdem ist für den Patienten die Eingewöhnungsphase länger und es können Probleme beim Essen, Sprechen und der Zahnpflege auftreten. Dies wurde durch eine Studie der Universität Münster gezeigt (Zusammenfassung der Studie).

 Vorteile  Nachteile
  • Spange nicht sichtbar
  • nicht für jede Therapie anwendbar
  • erhöhter Arbeitsaufwand (Kosten)
  • eventuell Probleme beim Essen oder Sprechen
  • erschwerte Mundhygiene

Invisalign – neue Technik aus den USA

Aus den USA kommt die Invisalign-Methode (invisible = unsichtbar, align = ausrichten) zur Zahnbewegung. Bei dieser Therapie erfolgt nach Erstellung der Diagnose, der Anfertigung von Röntgenbildern und der Herstellung von Abdrücken des Ober- und Unterkiefers in Kalifornien/USA die Digitalisierung der Unterlagen. So kann das gewünschte Behandlungsergebnis am Computer simuliert werden. Anschließend erarbeiten Computerfachleute, Zahnärzte und Kieferorthopäden bis zu 48 Behandlungsstufen um die Zähne in die gewünschte Position zu bewegen. Für diese Behandlungsstufen werden klare Zahnschienen aus Kunststoff angefertigt (Abb.1).

Diese erhält der Kieferorthopäde, der sie seinem Patienten einsetzt und die Behandlung durchführt. Nach jeweils zwei Wochen Tragedauer wechselt der Patient die Schienen. Aufgrund des glasklaren Kunststoffes sind die Schienen nahezu unsichtbar.
Allerdings wird die Invisalign-Technik hauptsächlich bei Erwachsenen und nicht bei allen Zahnfehlstellungen angewandt. Vor allem für Patienten mit leichten bis mittleren Engständen oder tiefem Biss in der Schneidezahnregion ist die Methode geeignet. Bei Kieferfehlstellungen (Fehlstellung des Oberkiefers zum Unterkiefer) ist die Methode nicht anwendbar. Außerdem ist die Methode sehr kostspielig. Je nach Art und Schwierigkeit der Behandlung können die Kosten 3.000 bis 5.000 Euro betragen. Eine Therapie mit festsitzenden Apparaturen ist in der Regel mit deutlich geringeren Kosten verbunden. (Pöhner, W.: Einsatz der Invisalign-Methode in der GKV. Quintessenz 5,549-550 (2002)).
Mehr zur Invisalign-Technik erfahren Sie hier

Was sagt die Fachgesellschaft zu Invisalign?
Die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO) hat in ihrer Stellungnahme (Januar 2004) zu Invisalign festgestellt, dass diese Methode zur Behandlung von Kindern mit noch nicht abgeschlossenem Zahnwechsel bzw. Zahndurchbruch nicht angewandt werden sollte (hier ist laut DGKFO die Invisalign-Methode „kontraindiziert bzw. ungeeignet“) und auch bei Erwachsenen nur bestimmte Zahnfehlstellungen korrigiert werden können. Außerdem weist die Fachgesellschaft darauf hin, dass diese Methode nur „gut ausgebildeten Behandlern (zu..) empfehlen ist, die in Diagnostik und Therapie das gesamte kieferorthopädische Spektrum beherrschen.“
Die vollständige Stellungnahme finden Sie hier.


Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse

Kieferorthopädische Behandlungen Erwachsener sind Privatleistungen und werden von der gesetzlichen Krankenkasse nicht bezahlt. Bei Privatpatienten ist eine Behandlung ohne Einschränkungen möglich, sofern behandlungsbedürftige Zahn- und Kieferfehlstellungen vorliegen. Für Behandlungen bei Personen über dem 18. Lebensjahr ist die Beihilfefähigkeit nur bei schweren Kieferanomalien, die eine kombinierte kieferchirurgische und kieferorthopädische Behandlung erfordern, gegeben. Da für kieferorthopädische Behandlungen höhere Kosten entstehen, sollten Sie sich unbedingt vor Behandlungsbeginn einen Kostenvoranschlag geben lassen. Wie alle anderen selbst zu tragenden medizinischen Behandlungskosten können auch kieferorthopädische Aufwendungen als Krankheitskosten von der Steuer abgesetzt werden.

Beteligung durch gesetzl. Krankenksse
  • Nein. Kieferorthopädische Behandlungen Erwachsener sind Privatleistungen und werden von der gesetzlichen Krankenkasse nicht bezahlt.

Abb. 1  Invisalign-Methode. Nachdem die Zahnbögen mit Hilfe von Computern dreidimensional erfasst wurden, simuliert der Computer die beabsichtigte Zahnbewegung und berechnet ein neues Modell des Zahnbogens. Dieses wird mit den Computerdaten stereolithografisch hergestellt und mit einer dünnen Tiefziehfolie abgeformt. Nun wird der Vorgang wiederholt, bis am Ende die Zahnfehlstellung im Computer vollständig behandelt ist. Je nach Komplexität der Zahnumstellung variiert die Zahl der angefertigten Schienen zwischen 15 und 50 Stück. Copyright: Shutterstock

Vor allem Erwachsene verbinden mit dem Begriff „Zahnspange“ eine lästige, unattraktive oder sogar peinliche Angelegenheit. Die Folge: sie nehmen lieber Zahn-Fehlstellungen in Kauf, statt diese mit auffälligen Zahnspangen korrigieren zu lassen. In vielen Fällen muss das heute nicht mehr sein. Die Fortschritte in der Kieferorthopädie ermöglichen jetzt nahezu „unsichtbare“ Methoden einer Zahnkorrektur. Eines dieser Verfahren, Invisalign genannt, wurde von der kalifornischen Firma Align Technology in Santa Clara entwickelt. Invisalign wird seit 2001 auch auf dem deutschen Markt angeboten und von zertifizierten Kieferorthopäden angewandt.

Invisalign verwendet eine Serie von transparenten, herausnehmbaren Schienen, sogenannte „Aligner“, die Zahnfehlstellungen ohne Metall und Drähte korrigieren können.

Vorteile dieses neuen Verfahrens
1) Die zu korrigierenden Zähne werden mit wenig Druck bewegt. Die Blutversorgung der Zahnwurzel wird damit während der Behandlung nicht beeinträchtigt. Eine Verkürzung der Zahnwurzel wird so vermieden, die ansonsten mittelfristig zu einem instabilen Zahn führen könnte.

2) Invisalign ist nahezu unsichtbar. Zähne können so korrigiert werden, dass es anderen Menschen kaum auffällt.

3) Invisalign ist herausnehmbar. Deshalb kann der Patient während der Behandlung essen und trinken was er will. Die Mundhygiene wird nicht erschwert, da die Zähne wie gewohnt gereinigt werden können.

5) Interessenten, die ihre Zähne mit Invisalign korrigieren lassen wollen, können bereits im Voraus sehen, wie ihre korrigierten Zähne nach der Behandlung aussehen werden. Dafür sorgt ein persönlicher „virtueller Behandlungsplan“ und die computergestützte Methode dieses Verfahrens.

Folgende Analysen und vorbereitende Aufgaben für eine erfolgreiche Invisalign-Behandlung sind notwendig
1) Der Patient wird vom Zahnarzt an einen für Invisalign geschulten Kieferorthopäden geschickt.

2) Es folgen ein Beratungsgespräch und eine klinische Untersuchung. Erst dann kann der Behandler feststellen, ob eine Invisalign Therapie im vorliegenden Fall angewendet werden kann. Soll bei prinzipieller Behandlungsmöglichkeit eine Behandlung durchgeführt werden, beginnen die eigentlichen Vorbereitungsarbeiten: Röntgenbilder, Abformung der Kiefer für die Herstellung von Gipsmodellen, Fotos. Jetzt kann der Behandler den Behandlungsplan und die Kosten (Heil- und Kostenplan) erstellen. Auf dieser Basis trifft dann der Patient die endgültige Entscheidung.

3) Bevor die Kieferabformungen für die eigentliche Behandlung vorgenommen werden, müssen zuvor noch eventuell notwendige zahnärztliche Maßnahmen abgeschlossen werden, also zum Beispiel eine Kariesbehandlung oder eine Parodontitis-Behandlung.

4) Erst jetzt wird ein so genannter „A-Silikon-Abdruck“ erstellt. Zusammen mit dieser Abformung erfolgt eine A-Silikonbissnahme und die Herstellung einer Fotoserie. Dieses wird dann zur weiteren Bearbeitung in die Align-Technology-Zentrale in Santa Clara geschickt. Parallel wird der „virtuelle Behandlungsplan“ mit Bildern digital und online nach Kalifornien übermittelt.

5) Zirka 14 Tage später erhält der Behandler in Deutschland den so genannten „Clincheck“. Dies ist eine Software, die anhand des in den USA dreidimensional eingescannten Kiefer-/Zahnmodells den Behandlungsverlauf nach den Vorgaben des Behandlers aus Deutschland simuliert.

6) Eventuelle Korrekturen dieses Clincheck liegen nach weiteren zirka 14 Tagen vor. Erst jetzt können die „Aligner“, das sind die transparenten, herausnehmbaren Schienen aus Kunststoff (Polyurethan) bestellt werden. Die Aligner sind zwischen 0,6 und 0,7 Millimeter dick. Benötigt werden, je nach Aufwand der Behandlung, zwischen 6 und 50 Stück. Vom Zeitpunkt der Erstellung der A-Silikon-Abdrücke bis zum Einsetzen der Aligner muss im Durchschnitt mit 6 bis 8 Wochen gerechnet werden.

Generell gilt für dieses computergestützte Verfahren
Für eine Behandlung mit invisalign müssen alle Milchzähne durch bleibende Zähne ersetzt und das so genannte „skelettale Wachstum“ abgeschlossen sein. Dies ist in der Regel bei Patienten, die das fünfzehnte Lebensjahr vollendet haben, der Fall. In Ausnahmefällen können auch jüngere Patienten behandelt werden.
Es sind noch gesunde Zähne vorhanden, insbesondere die Frontzähne. Und der Patient leidet an keiner akuten Parodontitis (im Volksmund auch „Paradontose“ genannt).

Mittlerweile können sehr viele Zahnfehlstellungen mit der Invisalign –Technik behandelt werden. Allerdings kann es sein, dass bei einigen schwierigen Fällen die Invisalign-Technik mit anderen, zum Beispiel festsitzenden Behandlungstechniken (Brackets) kombiniert werden muss. Für eine Behandlung bei Kindern gilt: es müssen alle bleibenden Zähne mit Ausnahme der Weisheitszähne vollständig „durchgebrochen“ sein, d.h. in der Mundhöhle stehen.

Nachteile von Lingualbrackets

Lingual befestigte Brackets sieht man nicht – ein klarer Vorteil gegenüber der labialen Befestigung. Dennoch sollten Patienten die mit der Lingualtechnik verbundenen Nachteile nicht verschwiegen werden. Wie komfortabel sind linguale Brackets und wie gut gewöhnen sich die Patienten daran? Dieser Frage ging eine Studie der Universität Münster nach.

In die Studie wurden 22 Patienten im Durchschnittsalter von knapp 35 Jahren einbezogen. Untersucht wurde der Komfort der Brackets, die Sprach-, Kau- und Schluckfunktion sowie die Hygienemöglichkeiten. Die Auswertung erfolgte anhand standardisierter Fragenbogen, die die Patienten vor der Behandlung, innerhalb von 24 Stunden danach und nach drei Monaten beantworteten.

Die Ergebnisse der Befragung fielen in Hinblick auf die Tragfreundlichkeit der lingualen Brackets schlechter aus als durch andere Studienergebnisse erwartet. So fanden selbst nach drei Monaten 76,1 bis 90,9% der befragten die Einengung des Zungenraums als unangenehm. Ebenso lästig wurden die Veränderung der Zungenlage und die Verletzungen der Zunge beschrieben. Zwischen 9,5 und 21,1% der Befragten gaben sogar an, diese Einschränkungen in starker Ausprägung zu empfinden. Als größtes auch objektivierbares Problem ermittelte auch diese Studie Veränderungen der Sprache. Selbst drei Monaten nach Eingliederung der Lingualbrackets beurteilten Sprachspezialisten die Aussprache der Patienten als nachweislich verschlechtert. Auch das Kauvermögen wurde als eingeschränkt beschrieben: 44,4% gaben eine starke Einschränkung der Abbissfunktion auch noch nach drei Monaten an. Ähnliches konnte für die Mundhygiene festgestellt werden. Genau die Hälfte der Patienten klagte auch noch nach drei Monaten über eine deutlich erschwerte Mundhygiene.Es ist daher wichtig, Patienten, bei denen die Lingualtechnik zum Einsatz kommt, über Ausmaß und Dauer möglicher Beeinträchtigungen richtig aufzuklären.

(Quelle: Hohoff, A. et al.: Oraler Komfort, orale Funktion und Mundhygiene bei Patienten mit Lingualbrackets. Journal of Orofacial Orthopedics/Fortschritte der Kieferorthopädie 64 (2003):259-371)

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