Knochenaufbau durch Geweberegeneration

Gesteuerte bzw. geführte Geweberegeneration zum Knochenersatz

Die Behandlung der Parodontitis führt zwar zu einem Rückgang der Entzündung, aber der durch die Entzündung verloren gegangene Knochen, meist in Form von „Knochentaschen“,  wächst in der Regel ohne unterstützende Maßnahmen nicht wieder nach. Die moderne Parodontologie ist in der Lage, in bestimmten Fällen diesen Knochenverlust durch regenerative Maßnahmen  (so genannte „gesteuerte bzw. geführte Geweberegeneration (guided tissue regeneration  = GTR)) wieder aufzubauen oder durch andere Materialien zu ersetzen. Diese Methode wurde erstmals 1982 veröffentlicht.

 Indikation Kontraindikation
  • Knochentaschen
  • freiliegende Gabelung der Wurzeln (= Furkation) bei Mehrwurzeligen Zähnen, solange nicht zu viel Knochen abgebaut ist
  • Parodontitis mit gleichförmigem horizontalen Knochenabbau
  • Freiliegende Gabelung der Wurzeln, bei denen der Knochenabbau zu weit fortgeschritten ist

Membran und Knochersatzstoff – wofür?

Bei der gesteuerten Geweberegeneration wird die operativ freigelegte Knochentasche mit Hilfe einer dünnen Membran vom umgebenden Weichgewebe getrennt. Da das Weichgewebe schneller wächst als der Knochen, verhindert die Membran das Einwachsen von Weichgewebe in die Knochentasche. Das körpereigene Knochengewebe hat so genügend Zeit, unter der Membran den Defekt wieder aufzufüllen. Zur Optimierung der Knochenregeneration kann in den Hohlraum unterhalb der Membran Knochen oder  Knochenersatzmaterial (z.B. PerioGlas®, Cerasorb®) als Platzhalter eingefüllt werden.

Die Membran wird nach etwa sechs Wochen in einem kleinen Eingriff wieder entfernt. Ist die Membran selbst auflösend (resorbierbar), dann entfällt dieser Schritt, da diese Membran nach einem Zeitraum von vier bis sechs Monaten langsam abgebaut wird.

Membran zur Defektdeckung und Knochenersatzmaterial (Cerasorb)

Knochen und Knochenersatzmaterial

Bei den verwendeten Knochenersatzmaterialien haben sich die synthetischen und teilsynthetischen Knochenersatzmaterialien durchgesetzt. Während die synthetischen Materialien vollständig aus chemischen Stoffen bestehen, werden die teilsynthetischen Materialien aus biologischen Ausgangsstoffen, meist tierische Knochen gewonnen, die durch chemische und/oder thermische Verfahren in das Ersatzmaterial umgewandelt werden.

Wie bei den Membranen wird auch hier zwischen auflösenden und nicht auflösenden Materialien unterschieden. Auf Grund ihrer Struktur (schwammförmig, Granulat, Gel) dient das Knochenersatzmaterial dem nachwachsenden Knochen als Leitschiene und Baustoff. Allerdings sind laut der Studie „Knochenersatzmaterialien zur parodontalen Regeneration und zum Knochenaufbau für Implantate – Eine systematische Bewertung der medizinischen Wirksamkeit“ Knochenersatzmaterialien nur in bestimmten Fällen empfehlenswert.


Gesteuerte Geweberegeneration in der Parodontologie.
Auf den vorbereiteten und mit einem Knochenersatz
oder -aufbaumaterial aufgefüllten Defekt wird eine
Membran aufgebracht. Anschließend wird die Membran
durch die Schleimhaut komplett abgedeckt.
(Grafik: Curasan)

Schmelzmatrixproteine – Emdogain®

Wissenschaftlich ist erwiesen, dass körpereigene Schmelzmatrixproteine eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Zahnhalteapparats spielen. Mit der Anwendung dieser Proteine in der Parodontaltherapie ist ein neues regeneratives Verfahren in die Parodontologie eingeführt worden. Zur Zeit ist nur das Medikaments Emdogain® auf dem Markt erhältlich (Kolling u. Muhle 2003).

Emdogain® besteht aus verschiedenen Proteinen, die aus jugendlichem Schweinegewebe extrahiert werden. Das im Emdogain® enthaltene Protein Amelogenin hat eine wichtige Funktion bei der Entstehung der Zähne und ihrer Stützgewebe. Es wird aber nur während der Zahnentwicklung vom Körper produziert. Durch das Auftragen von Emdogain®-Gel auf die gesäuberte Wurzeloberfläche, wird die Neubildung von Wurzelzement gefördert und der aufgrund einer Parodontitis verlorengegangenen Zahnhalteapparat wiederhergestellt. Kontrollierte klinischen Studien zeigen, dass Schmelzmatrixproteine eine wirkungsvolle und sichere regenerative Methode zur Behandlung von vertikalen parodontalen Knochendefekten darstellen (DGZMK, Stellungnahme 2000).

Tiefer Parodontaldefekt vor der Behandlung mit Emdogain®.

Das Zahnfleisch wird abgeklappt, um Zugang zum Knochen zu bekommen.

Vorhandene Plaque, Zahnstein und Wundgewebe wird vollständig entfernt.

Emdogain® wird auf die freigelegte Wurzeloberfläche aufgebracht.

Vernähen der Wunde.

Der Knochen hat sich wieder aufgebaut.
(Grafiken: Straumann)

Beteiligung durch gesetzl. Krankenkasse

  • Nein, das Auffüllen parodontaler Knochendefekte mit Knochenersatzmaterial ist keine Kassenleistung und muss vor Beginn der Behandlung mit dem Patienten schriftlich auf der Basis der amtlichen Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) vereinbart werden.

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